Schafkopf – Ausdruck bayerischer Kultur und Lebensart

So wie die Schürze zum Dirndlkleid, der Gamsbart zum Tirolerhut gehört, so gehört das Schafkopfen zu Bayern. Kaum ein bayrisches Dorf hat nicht ein Wirtshaus, in dem nicht regelmäßig die Karten geklopft werden. Da heißt es Solo, Kontra und Re, Wenz, oder Sauspiel, und dann wird gespielt nach Teufel komm raus. In den Farben Eichel, Gras, Herz und Schellen werden die Tarock-Karten auf den Tisch gelegt, geworfen oder mit Nachdruck auf den Tisch geknallt.

Beim Spiel wird das eine oder andere Bier getrunken, oder auch mal eine Runde Schnaps verteilt. Heiß und heftig wird manches Spiel durchdiskutiert und manchmal geraten sich die Spieler auch in die Haare, wenn ein falscher Spielzug dazu führte, dass ein sicheres Spiel verloren ging. Doch spätestens, wenn die neue Runde gegeben wird, und alle Unklarheiten beseitigt sind, herrscht wieder Frieden am Tisch.

Jeder der Spieler – und heute sogar manchmal Spielerinnen – hat das Spiel von seinem Vater oder Großvater – oder ganz heimlich auch von der Mutter – beigebracht bekommen. Schafkopfen kann man nicht nach den niedergeschriebenen Spielregeln erlernen. Nur durch jahrelange Übung wird man ein gewitzter und vor allem undurchsichtiger Spieler. Wer sich noch nie an einen Schafkopftisch gesetzt hat, wird sich vielleicht in Vorurteilen verlieren – doch das Spiel, in dem die Zehn den König sticht, ist ein Gebilde aus zahlreichen Regeln, die man noch so gut beherrschen kann – ohne mathematisches Denken und auch einen gewissen Grad an Intuition kann man niemals Schafkopfen. Dabei müssen alle drei Spielkomponenten – Mathematik, Gefühl und Regelwerk – so in Fleisch und Blut übergehen, dass man schnell und trotzdem wohl überlegt handeln kann.

So spielen in Bayern alte Männer, Familienväter, Geschäftsleute und Bürgermeister ihr liebstes Spiel – aus tiefster Überzeugung und von ganzem Herzen. Das Spiel erfreut sich solcher Beliebtheit, dass man es sogar online spielen kann – für die „alten Bayern“ eine Art Stilbruch, denn das Wirtshaus und der Stammtisch gehören zum Schafkopf, wie der „Alte“ – der Eichel Ober. Doch gerade das Interesse der jungen Spieler, die ihren Cyber-Stammtisch regelmäßig besuchen, zeugt davon, dass das Schafkopfen eine bayerische Lebensart ist, die so tief in der Kultur verwurzelt ist, dass es nie aussterben wird.